Leipzig: Licht aus, Feuer an.

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Autonome haben am Sonntagabend mit einer antinationalistischen Aktion die Polizeikamera am Connewitzer Kreuz beschädigt.
Wie Anwohner_Innen am Sonntagabend beobachteten, haben Autonome, Nationalfahnen, Autoreifen und Holzpaletten um die Polizeikamera am Connewitzer Kreuz geschichtet und angezündet. Das Feuer brannte so hoch und heiß, dass das Licht oben auf den Pfeiler ausging und auch die Ampelanlage der Straßenbahn brannte ab. Es ist davon auszugehen, dass die Polizeikamera ebenfalls ausfiel.

Es war dieses Jahr auch nicht die 1.Aktion gegen die Kamera am Connewitzer Kreuz, schon während der Schneeballschlacht (Bericht bei Leipzig Fernsehen: http://www.youtube.com/watch?v=lQzZx763e-o) Anfang des Jahres an der mehr als 300 Menschen teilnahmen kam es zu versuchen das Kabel der Kamera zu kappen. Was an diesem Abend nicht klappte, geschah dann wohl einige Tage später. Jedoch wurde die Kamera am nächsten Tag gleich wieder repariert und die Schutzummantelung um das Kabel verstärkt. Dies schien jedoch am Sonntag auch nichts genützt zu haben. Am Montag wurden alle anlagen an der Säule wieder repariert.

Es kam dieses Jahr aber auch zu anderen Protesten gegen die Kamera, so übernahm am 06. März das Internationale Rotzlöffeltum 2010 die Schirmherrschaft über den Leipziger Stadtteil Connewitz und protestiert damit gegen die Videoüberwachung am Connewitzer Kreuz (Video: http://www.youtube.com/watch?v=ngdY0X--qp4). die Kunstaktion bestand darin, dass Regenschirme in dem Platanen-Baum am Connewitzer Kreuz gehangen wurden, um wohl Menschen vor dem neugierigen Blick der Polizei zu schützen. Später wurden die Regenschirme von den Macher_innen der Aktion selber entfernt.
Vor einigen Monaten wurde der Baum auf der Verkehrsinsel radikal gestutzt. Die dichte Krone versperrte wohl zum Teil die Sicht der Kamera auf die Wolfgang-Heinze-Straße. Anwohner_innen gehen zumindest davon aus, dass dies der Grund für das massive beschneiden des Baumes war.

Leipzig galt als Modell und Wegbereiter der dauerhaften Videoüberwachung öffentlicher Plätze in der BRD. 2003 dokumentierte die Initiative Leipziger Kamera ( http://leipzigerkamera.twoday.net/) 674 Überwachungskameras in Straßen, Passagen, Kaufhäusern und Geschäften. Allein 186 Kameras wurden im Leipziger Hauptbahnhof entdeckt.

Im November 1999 begann die Polizei das Connewitzer Kreuz, mit einer Videokamera vom Dach des Gebäudes Karl-Liebknecht-Straße 152 aus zu beobachten. Damals kam es zu einer Protestkampagne der AG öffentliche Räume beim BgR im Bündnis mit anderen linken bzw. alternativen Gruppen. Vom 31. Januar bis zum 4. Februar fand eine Demonstrationswoche statt. Am 19. April 2000 wurde die Überwachungsmaßnahme beendet. Nach einem Krawall im Mai 2003 wurde die Kamera wieder installiert. Da vereinzelte Krawalle trotz oder wegen der Videoüberwachung seitdem immer noch stattfinden, wird seit dem Februar 2005 ständig aufgezeichnet. Im Herbst 2006 wurde die Kamera auf dem Dach des Gebäudes Karl-Liebknecht-Straße 152 durch eine Doom-Kamera am zentralen Lichtmast auf der Verkehrsinsel am Connewitzer Kreuz ersetzt.

Kam es Anfangs noch zu starken Protesten gegen die Kamera, kann mensch mittlerweile von einer Gewöhnung der permanenten Überwachung sprechen. Die diesjährigen Ereignisse gegen die Kamera ausgenommen, die wohl andeuten, das sich wohl noch ein Widerstand gegen die Überwachung richtet.

Polizei und Presse verschweigen bis jetzt alle Ereignisse, die dieses Jahr zur Kamera am Connewitzer Kreuz passiert sind.

So sind es zum Teil anfragen der NPD an den sächsischen Landtag die Aktionen und Geschehnisse in Leipzig zu Tage fördern. So stellte der NPD Abgeordnete Petzold eine kleine Anfrage zu „Aktivitäten mit linksextremistischen Hintergrund“ in Leipzig im Zeitraum von 2008-2009.

In der Antwort des Staatsministerium wird so einiges aufgezählt, welches sonst kaum Erwähnung gefunden hat. Auf die Frage wie viel Sachschaden entstanden sei, bei etwaigen Aktion wird nur eine Zahl benannt. Und Zwar die Summe von ca. 26.400 Euro bei der militanten Spontandemo am 16.10.2009 in Connewitz zum Ausgang des „MG-Verfahrens“( http://de.indymedia.org/2009/10/263813.shtml).
Auch zu Kosten von Polizeieinsätzen kann die Regierung keine Angabe machen.

Schon merkwürdig, dass es über vieles keine Berichte gibt. Auch keine Polizeiberichte. Hier fällt schon seit einiger Zeit auf, dass die Berichte der Leipziger Polizei zu Ereignissen in der Stadt immer weniger werden. Und das obwohl doch alle Berichte doch auch immer unterstreichen, wie viel mehr Personal für die Sicherheit gebraucht würde. So ist doch überall die Rede von Polizeimangel.

Hier einige Impressionen:
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